Was tun bei Rückgang der Anfragen und zurückhaltender Buchungssituation?

Hotellerie
Was tun bei Rückgang der Anfragen und zurückhaltender Buchungssituation?
Hotellerie Strategie Gastronomie

Mag. (FH) Helmut List, MSc
Managing Partner & Geschäftsführer
Innsbruck, Österreich
helmut.list@kohl-partner.at+43 512 21 43 15+43 664 8588694Zum AutorDie Stimmung im Alpentourismus hat sich deutlich erholt. Der Stimmungswert steigt von 2,8 auf 3,6 (Skala 1 bis 5). Österreich holt nach einem schwachen Vorjahr auf, Südtirol und die Schweiz erreichen Spitzenwerte. Gleichzeitig driften die einzelnen Regionen so stark auseinander wie selten zuvor. Vor allem in Deutschland scheint die die Lage jedoch deutlich angespannter. Das zeigt die aktuelle Branchenumfrage der Tourismusberatung Kohl > Partner unter 246 Betrieben in Österreich, Deutschland, Südtirol und der Schweiz.
Das erfreuliche Fazit zum Saisonende: Der Pessimismus des Vorjahres ist einem klaren Aufwärtstrend gewichen. Ein wesentlicher Grund dafür ist neben der deutlich entspannten Mitarbeitersituation wohl auch auf das gute Wetter zurückzuführen. Dafür rücken nun andere Themen in den Fokus. Das extrem kurzfristige Buchungsverhalten der Gäste und die allgemeine Kostensteigerung verlangen nach neuen Strategien.
„Die Betriebe haben einen soliden Sommer hinter sich und trotzdem bleibt die Verunsicherung groß. Was viele Unternehmen umtreibt, ist die wirtschaftliche Schwäche in Deutschland. Kein anderer Markt ist für Österreich, Südtirol und die Schweiz so entscheidend. Bleibt die Konsumlaune dort gedämpft, spüren wir das mit Verzögerung, unabhängig davon, wie gut der eigene Sommer gelaufen ist", erklärt Helmut List, Geschäftsführer von Kohl > Partner.
Das aktuelle Stimmungsradar von Kohl > Partner zeigt eine klare Trendwende. Auf einer Skala von 1 (pessimistisch) bis 5 (optimistisch) lag der Durchschnittswert im vergangenen Jahr noch bei 2,8, im Jahr davor bei 3,2. Heuer steigt der Wert auf 3,6 und damit auf den höchsten Stand der bisherigen Erhebungen. Nach zwei Jahren wachsender Zurückhaltung kehrt die Zuversicht in die Branche zurück, getragen von einer stabilen Auslastung und einer erfolgreichen Preisdurchsetzung.

© Kohl > Partner
Hinter dem Gesamtwert verbergen sich die größten regionalen Unterschiede seit Beginn der Erhebung. Am optimistischsten zeigen sich die Betriebe in der Schweiz. Mit 4,0 (Vorjahr 3,2) erreicht das Land den höchsten Score der Umfrage. Auch Südtirol macht einen großen Sprung nach oben und liegt mit 3,9 (Vorjahr 3,1) deutlich über dem Durchschnitt. Österreich konnte sich nach einem schwachen Vorjahr (2,7) spürbar erholen und liegt mit 3,2 im soliden Mittelfeld.
Die Ausnahme bildet Deutschland. Hier sank der ohnehin verhaltene Wert leicht auf 2,8 (Vorjahr 2,9). Die angespannte Wirtschaftslage drückt spürbar auf die Stimmung der Betriebe. Das ist deshalb relevant, weil Deutschland für den gesamten Alpenraum der wichtigste Quellmarkt ist und die Konsumzurückhaltung der deutschen Gäste auch in Österreich, Südtirol und der Schweiz zu spüren ist.

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Der Vergleich mit dem Vorjahr zeigt eine klare Verschiebung bei den Sorgen der Tourismusbetriebe. Das kurzfristige Buchungsverhalten der Gäste hat sich zur dominierenden Herausforderung entwickelt und ist in allen Regionen deutlich gestiegen. In Deutschland nennen es inzwischen 94 Prozent der Betriebe. Für die Praxis heißt das weniger Planbarkeit bei Personaleinsatz, Einkauf und Marketing. Deutsche Betriebe spüren zudem weiteren Druck auf die Aufenthaltsdauer.
Gleichzeitig hat sich die Kostenfrage verbreitert. Ging es im Vorjahr vor allem um die Mitarbeiterkosten, belastet heute die allgemeine Kostensteigerung auf breiter Front. In Österreich ist sie mit 67 Prozent die meistgenannte Sorge überhaupt.
Die Mitarbeitergewinnung, über Jahre das Top-Thema der Branche, spielt nur noch eine untergeordnete Rolle. Einzig in der Schweiz bleibt sie relevant und ist dort als einzige Herausforderung gegenüber dem Vorjahr gestiegen.
Fast vollständig verschwunden ist die Sorge um die Wetterlage. In Österreich fiel der Wert von 50 auf 2 Prozent. Der stabile Sommerverlauf hat damit wesentlich zur besseren Stimmung beigetragen.

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Bei der Auslastung im Sommer 2026 zeigt sich ein polarisiertes Bild. Der überwiegende Teil der alpinen Betriebe konnte das Vorjahresniveau halten oder sogar übertreffen, gleichzeitig driften die Regionen deutlich auseinander.
Am stärksten schneiden die Betriebe in der Schweiz ab. 42 Prozent melden eine bessere Auslastung als im Vorjahr, nur 12 Prozent berichten von Rückgängen. Südtirol zeigt sich mit 38 Prozent Zuwächsen ebenfalls sehr robust, Österreich liegt mit 32 Prozent Zuwächsen im soliden Mittelfeld. Anders die Lage in Deutschland. Dort meldet praktisch kein Betrieb eine verbesserte Auslastung, rund die Hälfte berichtet von einer Verschlechterung.
Auffällig ist die Diskrepanz zwischen Zahlen und Gefühl. Rein nach Auslastung war der Sommer für die meisten Betriebe solide bis gut. Im laufenden Betrieb hat er sich für viele Unternehmerfamilien trotzdem anstrengend angefühlt. Der Grund liegt weniger in der Nachfrage als im Weg dorthin. Gebucht wird spät, geplant werden kann kaum noch, und immer häufiger braucht es Aktionen, um die letzten Wochen zu füllen. Am Ende steht dann doch ein ordentliches Ergebnis, aber mit deutlich mehr Aufwand als früher.

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Bei den positiven Erwartungen zeigt die Buchungsvorschau ein weitgehend einheitliches Bild. In Österreich, Südtirol und Deutschland rechnet jeweils rund ein Viertel der Betriebe mit mehr Buchungen als im Vorjahr, in der Schweiz sind es 30 Prozent. Die Unterschiede liegen bei den negativen Prognosen. Die Schweiz zeigt sich mit nur 12 Prozent Rückgangserwartungen ausgesprochen stabil, in Südtirol sind es 31 Prozent. In Österreich rechnen 39 Prozent der Betriebe mit weniger Buchungen, in Deutschland rund die Hälfte.
Entscheidend bleibt der Herbst. Durch das kurzfristige Buchungsverhalten ist die Vorschau heute weniger aussagekräftig als früher. Ein starker Pickup in den letzten Wochen kann die Saisonbilanz noch deutlich verändern, ebenso wie ein ausbleibender. Planbarkeit sieht anders aus.

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Die Ergebnisse zur Preisdurchsetzung fallen im Sommer 2026 nochmals positiver aus als im Vorjahr. Am zufriedensten sind die Betriebe in Südtirol, wo 81 Prozent zufrieden oder sehr zufrieden sind und allein 34 Prozent die Bestnote vergeben. Es folgen die Schweiz mit 72 Prozent und Österreich mit 65 Prozent. Kritische Stimmen bleiben die Ausnahme und liegen in Österreich bei 12 Prozent und in der Schweiz bei 11 Prozent.
Anders fällt das Bild in Deutschland aus. Unzufrieden ist dort kaum jemand, gleichzeitig positioniert sich rund die Hälfte der Betriebe neutral. Das deutet weniger auf Unzufriedenheit als auf Zurückhaltung hin, nachdem Auslastung und Umsatzerwartungen dort unter Druck stehen.
Hinter den guten Werten steht allerdings eine Entwicklung, die aufmerksam beobachtet werden sollte. Mit der zunehmenden Kurzfristigkeit greifen wieder spürbar mehr Betriebe zu Aktionen, um offene Zimmer zu füllen. Angebote wie sieben Nächte zum Preis von sechs oder Kinder gratis waren im vergangenen Sommer deutlich häufiger im Markt. Die Preise wurden also vielfach gehalten, der tatsächlich erzielte Durchschnittserlös liegt dennoch unter dem, was die Preisliste vermuten lässt.
"Aktionen sind ein legitimes Marketinginstrument, wenn sie geplant, zeitlich begrenzt und an klare Bedingungen geknüpft sind. Problematisch wird es, wenn sie aus Unsicherheit heraus entstehen. Wer drei Wochen vor dem Termin anfängt zu rabattieren, erzieht seine Gäste genau zu jenem kurzfristigen Buchungsverhalten, über das die Branche klagt", sagt Helmut List, Geschäftsführer von Kohl > Partner.

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Die Ergebnisse zeigen ein zweigeteiltes Bild beim Konsumverhalten: In Deutschland (76%) und Österreich (63 %) spürt die klare Mehrheit der Betriebe, dass ihre Gäste deutlich sparen. In Südtirol beobachten dies nur noch 38 % der Betriebe. Auch in der Schweiz merken lediglich 23 %, dass Gäste ihre Ausgaben zurückhalten. Vielmehr zeigt sich hier ein positiver Gegentrend: In der Schweiz geben beachtliche 16 % der Betriebe an, dass die Zusatzkonsumationen der Gäste sogar besser geworden sind. Damit wird deutlich: Während die Budgets in Deutschland und Österreich sehr eng bemessen bleiben, konsumieren die Gäste in der Schweiz und Südtirol deutlich freudiger.

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Die Umfrage zeigt deutlich, in welchen Bereichen Gäste im Sommer 2026 am meisten sparen. An erster Stelle steht die Gastronomie. 62 % der Betriebe berichten von geringeren Ausgaben ihrer Gäste für Essen und Trinken. An zweiter Stelle folgt die Aufenthaltsdauer mit 18 %. Damit wird klar: Es wird nicht nur im Urlaub gespart, sondern zunehmend auch am Urlaub selbst.

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Bei der Mitarbeitersituation zeigt sich die deutlichste Verbesserung der gesamten Erhebung. In Südtirol und Deutschland ist der Personalmangel nahezu verschwunden, dort geben über 90 Prozent der Betriebe an, ausreichend Mitarbeiter gefunden zu haben. Im Vorjahr lagen diese Werte noch bei rund 70 Prozent. Auch in Österreich berichten nur noch 18 Prozent von Engpässen.
Gegen den Trend entwickelt sich die Schweiz. Dort klagen 28 Prozent der Betriebe über fehlende Mitarbeiter, und die Mitarbeitergewinnung ist die einzige Herausforderung, die gegenüber dem Vorjahr zugelegt hat.
Die Maßnahmen der vergangenen Jahre zeigen Wirkung, von Investitionen in Mitarbeiterunterkünfte über flexiblere Arbeitszeitmodelle bis zu höheren Löhnen. Gleichzeitig hat sich der Arbeitsmarkt konjunkturbedingt entspannt. Die Kehrseite zeigt sich bei den Kosten: Die gestiegenen Mitarbeiterkosten zählen inzwischen in allen Regionen zu den größten Belastungen.

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Mit Blick auf die Wintersaison 2026/27 überwiegt eine neutrale Grundstimmung. 49 Prozent der Befragten erwarten ein ähnliches Ergebnis wie im Vorjahr, 35 Prozent blicken optimistisch auf die Saison. Der eigentliche Fortschritt zeigt sich bei den Pessimisten: Ihr Anteil hat sich von 17 auf 10 Prozent nahezu halbiert. Die Branche rechnet also nicht mit einem Rekordwinter, aber die Angst vor einem Einbruch ist deutlich zurückgegangen.

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Die Die aktuelle Buchungsvorschau zeigt ein ausgeglichenes Bild. 51 Prozent der Betriebe bewegen sich auf Vorjahresniveau, 21 Prozent verzeichnen bereits mehr Buchungen, 28 Prozent liegen noch dahinter. Nach einem bereits sehr starken Vorjahr ist das ein solider Ausgangspunkt. Entscheidend wird auch hier sein, wie viel kurzfristig noch nachkommt.

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Die Sommersaison 2026 ist für die Betriebe im Alpenraum solide bis gut gelaufen. Auslastung gehalten, Preise weitgehend durchgesetzt, Personal gefunden. Nach zwei schwierigen Jahren ist das eine spürbare Erleichterung, und sie zeigt sich im höchsten Stimmungswert seit Beginn der Erhebung.
Der Weg zu diesem Ergebnis ist allerdings anstrengender geworden. Gebucht wird spät, geplant werden kann kaum noch, und die letzten Wochen müssen häufiger über Aktionen gefüllt werden. Die Kostenbasis ist dauerhaft höher, die Personalfrage hat sich von einem Verfügbarkeits- zu einem Kostenproblem gewandelt. Dazu kommt die Unsicherheit über die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland, dem wichtigsten Quellmarkt der gesamten Region.
„Die Stimmung hat sich erholt und entspricht heuer wieder dem, was die Betriebe tatsächlich erwirtschaften. Was belastet, ist nicht die Nachfrage, sondern die fehlende Planbarkeit. Wer bis zuletzt nicht weiß, wie das Haus ausgelastet ist, arbeitet permanent im Reaktionsmodus. Am Ende der Saison steht meist ein ordentliches Ergebnis, der Weg dorthin kostet aber deutlich mehr Kraft als noch vor wenigen Jahren", resümiert Helmut List, Managing Partner bei Kohl & Partner.
Auf Basis der Ergebnisse empfiehlt Kohl > Partner drei zentrale Handlungsfelder:
Die Kohl & Partner GmbH ist ein unabhängiges und international tätiges Beratungsunternehmen mit Schwerpunkt im alpinen Raum und mehr als 40 Jahren Erfahrung. Unsere Expertise umfasst die zentralen Kompetenzfelder des Tourismus: Destinationsentwicklung, touristische Infrastruktur, Hotellerie & Gastronomie sowie Mensch & Organisation. Mit Hauptsitz in Österreich und einem Netzwerk aus acht Büros in vier Ländern steht Kohl & Partner mit über 40 Expert:innen für praxisnahe Beratung und nachhaltige Erfolgsstrategien.