Führung neu gedacht

Organisation & Führung
Führung neu gedacht
Destination Hotellerie Organisation & Führung

Gabriele Maessen, MA
Senior Beraterin
Berlin, Deutschland
gabriele.maessen@kohl-partner.eu+49 175 589 5285Zum AutorDie Ferienhotellerie an Nord- und Ostsee steht vor einem deutlichen Wandel. Während die Nachfrage in vielen Destinationen weiterhin stark bleibt, verändern sich Buchungsverhalten, Preisstrategien und Marktmechanismen spürbar. Die aktuelle Preisstudie von Kohl > Partner zeigt: Die Nordsee behauptet sich auch 2026 als höherpreisige Destination, gleichzeitig reagieren viele Betriebe zunehmend defensiv auf die steigende Marktvolatilität.
Nordsee bleibt Preisführer – Ostsee holt im Premiumsegment auf
Im Durchschnitt liegt das Preisniveau der Nordsee in der Sommersaison 2026 rund 9,9 Prozent beziehungsweise etwa 20 Euro pro Nacht über jenem der Ostsee. Besonders deutlich fällt der Unterschied im 3-Sterne-Segment aus. Gleichzeitig zeigt die Analyse, dass sich die Ostsee insbesondere im 4-Sterne-Superior-/Wellnessbereich zunehmend an das Preisniveau der Nordsee annähert.
Auffällig ist jedoch die insgesamt geringe Preisdynamik während der Hauptsaison. Sogar im August, den traditionell stärksten Nachfragemonat, bleiben größere Preispeaks aus. Die Preisunterschiede zwischen Nord- und Ostsee bewegen sich von Mai bis September auf vergleichsweise stabilem Niveau. Erst im Herbst sinken die Preise in beiden Regionen leicht.

Gute Nachfrage – aber viele Hotels reagieren mit Preisreduktionen
Besonders bemerkenswert ist laut Studie, dass einzelne Hotelkategorien ihre Preise trotz guter Nachfrage reduzieren. Vor allem an der Ostsee zeigt sich im 4-Sterne-Superior-/Wellnesssegment ein deutlicher Preisrückgang gegenüber dem Vorjahr – teilweise sogar in den nachfragestärksten Sommermonaten.
Dabei sprechen die aktuellen Marktdaten eigentlich für eine starke Saison: Laut Daten von RateBoard liegt die Belegung bereits deutlich über dem Vergleichszeitraum 2025. Mit einem Vorbuchungsstand von 30–52 % für Januar bis Mai und bereits ~46–47 % für die Hochsaison und das bei einem Datenstand von April 2026, also noch weit vor dem typischen Buchungsschub. Das Buchungsvolumen ist mit 2025 vergleichbar und zeigt für den weiteren Jahresverlauf ein klares Wachstumspotenzial.
Umso überraschender ist aus Sicht von Kohl > Partner die teilweise defensive Preisstrategie vieler Betriebe – insbesondere an der Ostsee. Trotz guter Nachfragepotenziale werden hier teilweise Preise unter Vorjahresniveau angeboten und damit Umsatzpotenziale verschenkt.
„Die größte Herausforderung aktuell ist nicht fehlende Nachfrage, sondern der Umgang mit Unsicherheit“, erklärt Gabriele Maessen MA, Senior Beraterin bei Kohl > Partner. „Viele Betriebe reagieren auf kurzfristigere Buchungsfenster und volatile Nachfrage mit defensiven Preisstrategien. Genau darin liegt jedoch langfristig ein Risiko für Positionierung und Profitabilität.“
Auch Anton von Verschuer, CCO von Rateboard, sieht die aktuelle Entwicklung kritisch:
„Die Buchungslage für den Sommer 2026 an der Nord- und Ostseeküste verspricht eine starke Saison, erfordert aber maximale Flexibilität in der Preisgestaltung. Nur durch datenbasiertes Revenue Management verwandeln wir die aktuelle Nachfrage in Umsatzwachstum.“

Volatile Nachfrage verändert den Markt
Die Studie zeigt deutlich, dass sich das Buchungsverhalten der Gäste in den vergangenen Monaten massiv verändert hat. Politische und wirtschaftliche Unsicherheiten führen zu immer kurzfristigeren Buchungsentscheidungen, gleichzeitig steigt die Wetterabhängigkeit vieler Destinationen. Besonders die Nebensaisonen werden dadurch zunehmend schwieriger planbar.
Kurzfristige Nachfragepeaks, höhere Stornierungsquoten und kurzfristigere Buchungsfenster erhöhen den Druck auf die Betriebe zusätzlich. Klassische Preislisten und starre Ratenmodelle stoßen dadurch immer stärker an ihre Grenzen.
Der Markt wird dynamischer – viele Preisstrukturen jedoch nicht
Positiv bewertet die Studie die zunehmende Verbreitung dynamischer Preisstrategien an beiden Küstenregionen. Gleichzeitig zeigt sich jedoch, dass insbesondere im 3-Sterne-Segment weiterhin häufig mit klassischen Preislisten und statischen Raten gearbeitet wird. Vor allem in einzelnen Ostsee-Destinationen besteht laut Analyse weiterhin deutlicher Nachholbedarf bei der konsequenten Umsetzung dynamischer Preisstrategien.
Silvester wird zum Hochpreis-Event an Deutschlands Küsten
Besonders deutlich zeigt sich die Marktdynamik rund um den Jahreswechsel. Viele Hotels an Nord- und Ostsee sind über Silvester bereits ausgebucht oder saisonbedingt geschlossen. Die verbleibenden verfügbaren Betriebe können dadurch sehr hohe Preise durchsetzen, wodurch sich die Preisniveaus beider Regionen zum Jahreswechsel nahezu angleichen.
Die Zukunft gehört flexiblen Preisstrategien
ie Ergebnisse der Studie zeigen deutlich: Erfolgreiche Ferienhotellerie braucht heute mehr denn je ein aktives, datenbasiertes Revenue Management. In einem Markt mit kurzfristigeren Buchungsfenstern, steigender Unsicherheit und hoher Wettbewerbsdynamik reichen starre Preislisten und rein operative Preisentscheidungen nicht mehr aus.
Gerade in volatilen Marktphasen entscheidet nicht allein die Nachfrage über den Erfolg, sondern die Fähigkeit, Nachfrage in profitablen Umsatz umzuwandeln.
Auch Destinationen stehen zunehmend vor der Herausforderung, Nachfrage stärker über das gesamte Jahr zu steuern. Besonders die Nebensaisonen erfordern neue Impulse, eine klare touristische Positionierung und attraktive Angebote außerhalb klassischer Ferienzeiten.
Die Analyse macht deutlich: Die Zukunft gehört jenen Betrieben und Destinationen, die Marktveränderungen frühzeitig erkennen, flexibel reagieren und ihre Preisstrategie aktiv steuern.
Die Preisstudie wurde von Gabriele Maessen MA, Senior Beraterin bei Kohl > Partner durchgeführt. Analysiert wurden die öffentlich verfügbaren Preise von insgesamt 100 Hotels an Nord- und Ostsee in den Kategorien 3-Sterne, 4-Sterne sowie 4-Sterne-Superior/Wellness. Untersucht wurden jeweils fünf Destinationen pro Küstenregion. Die Datenerhebung erfolgte anhand mehrerer Stichtage zwischen Mai und Dezember 2026. Grundlage der Analyse war der Durchschnittspreis eines Doppelzimmers inklusive Frühstück auf Basis öffentlich einsehbarer Hotelpreise.